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world of biodiversity

Senckenberg Forschung

Senckenberg Forschung

Die Biodiversitätsforschung ist die zentrale Aufgabe des FIS und daher sind alle wissenschaftlichen Programme und Projekte unter dem Motto: "Die Vielfalt des Lebens be­schreiben, verstehen und bewahren" zu subsumieren. Dieses Motto ist insofern zeit­los als es die Mission der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung be­schreibt und sich unter ihm alle Forschungsaktivitäten des FIS in einer konzisen Richtung koordinieren lassen: Taxonomie und Faunistik, wichtige Pfeiler der sen­ckenbergischen Forschung bedienen das Segment "beschreiben", Ökologie, Evoluti­onsforschung, Phylogenie, Sedimentologie sorgen für das "Verstehen" und sind zur Theoriebildung unerlässlich. Die angewandten Projekte sind fast ausnahmslos dem Tätigkeitsfeld des "Bewahrens" zuzuordnen und leisten damit wichtige gesellschaftli­che Aufgaben, die aus der Grundlagenforschung folgen. Solche Projekte liefern aber gleichzeitig Material für die ersten beiden Aspekte, so dass sich der Kreis wieder schließt. Das Motto ist also mehr als nur Semantik. Es erlaubt, auf die Besonderheit der Forschungsaufgaben von Senckenberg hinzuweisen und diese in einen gemein­samen Sachzusammenhang zu bringen.

 

Biodiversitätsforschung beschäftigt sich mit der Feststellung und Erklärung von Mustern in Raum und Zeit. Die räumliche Verbreitung der Tier- und Pflanzenwelt hat ihre Ursachen zum einen in den ökologischen Bedingungen und zum anderen in historischen Entwicklungen. Aufgrund dessen sind unter gleichen ökologischen Be­dingungen unterschiedliche Muster zu erkennen. Zum wirklichen Verstehen solcher Zusammenhänge ist es also notwendig, neben der reinen Erfassung der Vierlfalt, die Dynamik von Klein- und Großsystemen zu untersuchen. Langzeitreihen, bei denen eine Probenahme über  lange Zeiträume am selben Ort unter kontrollierten Bedingungen erfolgt, erlauben die Feststel­lung zeitlicher Muster auf einer erdgeschichtlich vernachlässigbar kurzen Skala, sind aber die einzige Möglichkeit, die Gerichtetheit von Prozessen zu erkennen, wie sie z. B. für die Umweltforschung notwendig sind. Solche Musterbildungsprozesse werden überwiegend im Nahbereich, also in Mitteleuropa, untersucht, in der Tropen- und Tiefseeforschung bilden sie eher die Ausnahme. Dort überwiegt die Feststellung der großräumigen geographischen Muster, deren Kennt­nis für biogeographische Schlüsse unabdingbar ist. Wie leicht zu sehen ist, ergänzen sich beide Aspekte ideal. Die sich mit großräumiger Strukturiertheit befassende For­schung ist darauf angewiesen, Erklärungen und Impulse aus den kleinräumiger aber auch dauerhafter an einem System arbeitenden Gebieten zu bekommen und umge­kehrt die Interpretation der Kleinsysteme und Regelkreise in übergreifende Frage­stellungen einzubinden. Längerfristige zeitliche Muster werden im Rahmen der fos­silen Systeme untersucht. Die Gerichtetheit von Prozessen ist in den Geowissen­schaften kein großes Problem, da sie durch die Stratigraphie, die Aufeinanderfolge von Schichtpaketen, gegeben ist. Eher ist es die Gleichzeitigkeit, also die räumliche Vergleichbarkeit von Mustern, die hier eine wichtiges Problemfeld ist. Für die Klärung solcher für die Paläogeographie und Fa­zieskunde wichtigen Fragestellungen ist die Kooperation und der Austausch mit den in ein und dem selben Stratum arbeitenden Rezentbiologen von großer Bedeutung. Sehr hilfreich ist hierbei die Tatsache, dass in der senckenbergischen Paläontologie vom Devon bis in die Gegenwart unterschiedliche Schwerpunkte existieren, von de­nen die Quartärforschung das Bindeglied zur rezenten Situation darstellt. Die Erhebung groß- und kleinräumiger Musterbildungsprozesse findet in Großprojekten statt, zu denen alle wissenschaftlichen Einheiten des Forschungsinstitutes in unterschiedlichem Maß beitragen.

Trotz aller integrativer Forschung, ist es notwendig auch die Taxonomie selbst fachimmanent zu fördern und dafür zu sorgen, dass die interdisziplinären Pro­gramme auf der Basis einer hochwertigen Taxonomie laufen. Aus diesem Grund kommt der sammlungsbezogenen taxonomischen Grundlagenforschung an den durch die einzelnen Abteilungen und Sektionen betreuten Organismengruppen eine große Bedeutung zu. Voraussetzung hierfür und für ähnliche Aufgaben an anderen Instituten ist die Erhaltung und Zugänglichmachung der Sammlungen unabdingbare Voraussetzung. Sie bedürfen daher der ständigen Pflege und Erschließung durch speziell ausgebildete Technische Assistenten/innen und Wissenschaftler/innen.